Handguards sind eines der praktischsten Zubehörteile, die man ans Motorrad schrauben kann – und gleichzeitig eines der am meisten unterschätzten. Sie halten Fahrtwind, Regen, Schlamm und Steinschlag von den Händen ab, schützen Brems- und Kupplungshebel bei Stürzen vor dem Abbrechen und machen gerade bei Offroad- und Toureneinsatz den Unterschied zwischen einer entspannten Fahrt und taub gefrorenen Fingern. Dieser Guide erklärt alles was du wissen musst – von der Wahl des richtigen Typs bis zur sicheren Montage.
Das Wichtigste auf einen Blick
Inhalt
- 1Handguard-Typen: offen, geschlossen, Carbon, Alu
- 2Was Handguards wirklich schützen
- 3Material-Vergleich: Kunststoff, Alu, Carbon
- 4Top-Marken im Überblick
- 5Montage Schritt für Schritt
- 6Typische Fehler vermeiden
1Handguard-Typen: offen, geschlossen, Carbon, Alu
Der Typ entscheidet über Schutzniveau, Windschutz und das Verhalten bei Stürzen. Richtig wählen ist wichtiger als die Marke.
Nicht alle Handguards sind gleich. Bevor du nach Marken schaust, musst du wissen, welchen Typ du für deinen Einsatzzweck brauchst – das entscheidet mehr über Schutz und Alltagstauglichkeit als jedes andere Merkmal.
Einseitig am Lenker montiert, kein Bügel zum Lenkerende. Schützen vor Ästen, Schlamm und Steinschlag. Bei Sturz bieten sie kaum Hebelschutz.
Supermoto LeichtZweipunkt-Montage: am Lenker und am Lenkerende. Deutlich stabiler, schützt Hebel bei Stürzen. Standard für Enduro, Offroad und Adventure.
Enduro HebelschutzStabiler Alu-Bügel als Basis, Handschale aus Kunststoff. Kombination aus Robustheit und Gewicht – Standard in der Mittel- und Oberklasse.
Adventure RobustSehr leicht, sehr steif, sehr hochwertig. Primär für Optik und Gewichtsoptimierung. Weniger robust bei Stürzen als Alu – eher für Straße geeignet.
Premium Straße2Was Handguards wirklich schützen
Handguards erfüllen gleichzeitig mehrere Aufgaben, die auf den ersten Blick nicht alle offensichtlich sind.
3Material-Vergleich: Kunststoff, Alu, Carbon
Jedes Material hat klar definierte Stärken – die Wahl hängt vom Einsatzzweck und Budget ab.
| Material | Gewicht | Schutz Sturz | Preis | Ideal für |
|---|---|---|---|---|
| Kunststoff (Nylon/PP) | Leicht | ✓ Gut | ~30–80 € | Alltag, Budget |
| Kunststoff + Alu-Bügel | Mittel | ✓✓ Sehr gut | ~80–200 € | Enduro, Adventure |
| Vollaluminium | Mittel–schwer | ✓✓✓ Maximal | ~150–350 € | Offroad, Racing |
| Carbon | Sehr leicht | – Splittert | ~200–500 € | Straße, Optik |
Empfehlung für die meisten Fahrer: Kunststoffhandschale mit Aluminium-Bügel – das ist die beste Kombination aus Schutz, Gewicht und Preis. Carbon sieht schön aus, splittert aber bei harten Stürzen und bietet dann keinen sinnvollen Schutz mehr für die Hebel.
4Top-Marken im Überblick
Jede Marke hat ihre Kernstärke – von günstig und universal bis zu modellspezifisch und premium.
Einer der beliebtesten Hersteller für Offroad-Handguards. Große Auswahl, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, viele Farben. Klassiker: Acerbis Rally Pro und X-Elite.
Modellspezifische Kits mit ABE für viele Adventure-Modelle. KOBRA und BBSTORM mit stabilem Alu-Bügel. Besonders beliebt bei BMW GS, Africa Twin und Tenere-Fahrern.
Australischer Hersteller mit modularem Baukasten-System. Aluminiumbügel + austauschbare Handschalen. Sehr robust, global beliebt bei Adventure-Reisenden. STORM und JET.
Hochfeste Aluminium-Bügel speziell für Reiseenduros. Geschlossene Bauweise, direkte Lenker-Abstützung. Für BMW, Honda, KTM, Triumph und Yamaha verfügbar.
Günstige und solide Handguards für Motocross und Enduro. Halo und Qwest-Serie mit guter Passform und vielen Farbvarianten. Ideal für den ersten Satz Handguards.
Breites Sortiment von Universalhandguards bis modellspezifischen Kits. Gute Verarbeitung für den Preis. Besonders beliebt im Supermoto- und Motocross-Bereich.
Modellspezifisch vs. Universal: Modellspezifische Kits (SW-Motech, Barkbusters, Touratech) sitzen ohne Spiel und Vibrationen – aber sie passen nur auf bestimmte Motorräder. Universal-Kits (Acerbis, Polisport, Progrip) passen auf fast jeden 22-mm-Lenker, können aber bei manchen Modellen leicht vibrieren. Für Dauertourer und Offroad-Fahrer lohnt sich immer das modellspezifische Kit.
5Montage Schritt für Schritt
Die meisten Handguards lassen sich mit Inbusschlüssel und Schraubenzieher ohne Fachkenntnisse montieren.
Sicherheitsprüfung nach der Montage: Den Volllenkeinschlag nach links und rechts testen – die Handguards dürfen die Lenkung nicht einschränken oder irgendwo anstoßen. Loose Teile nach der Montage können bei Fahrt gefährlich werden. Im Zweifelsfall einen Fachmann die Montage prüfen lassen.
6Typische Fehler vermeiden
Von falschem Lenkerdurchmesser bis zu losen Schrauben – die häufigsten Fehler und wie man sie vermeidet.
✓Schnellvergleich der Handguard-Typen
| Typ | Windschutz | Hebelschutz | Gewicht | Preis ab | Ideal |
|---|---|---|---|---|---|
| Offen (Kunststoff) | Mittel | – | Leicht | ~20 € | Supermoto, Budget |
| Geschlossen (Kunststoff) | Gut | ✓ | Mittel | ~35 € | Enduro, Allgemein |
| Geschlossen + Alu-Bügel | Sehr gut | ✓✓ | Mittel | ~80 € | Adventure, Offroad |
| Vollalu (Touratech, Barkbusters) | Sehr gut | ✓✓✓ | Schwerer | ~110 € | Reise, Racing |
| Carbon | Gut | – (splittert) | Sehr leicht | ~200 € | Straße, Optik |
Handguards – kleine Investition, großer Unterschied
Die fünf wichtigsten Punkte für die richtige Wahl:
- Offroad und Enduro: nur geschlossene Handguards – Nur mit Lenkerende-Befestigung schützen sie die Hebel bei Stürzen zuverlässig. Offene Handguards sind im Gelände keine echte Lösung.
- Kunststoff + Alu-Bügel für die meisten Fahrer – Die beste Kombination aus Schutz, Gewicht und Preis. Carbon für Optik, Vollalu für maximale Robustheit im harten Racing.
- Lenker-Innendurchmesser vor dem Kauf prüfen – Standard 22 mm, manche Adventure-Modelle 28 mm (konisch). Der häufigste und ärgerlichste Kauffehler.
- Modellspezifisch kaufen wenn möglich – SW-Motech, Barkbusters und Touratech bieten Kits ohne Vibrationen und mit ABE für viele Modelle. Lohnt sich für Dauertourer und Adventure-Fahrer.
- Lenkeinschlag nach Montage immer prüfen – Vollanschlag links und rechts. Handguards die die Lenkung einschränken sind sicherheitskritisch und müssen sofort korrigiert werden.
Handguards sind eine der günstigsten Sicherheitsinvestitionen am Motorrad. Wer einmal damit gefahren ist – besonders im Regen oder auf Schotterpisten – möchte sie nicht mehr missen.
Gut geschützt – und einzigartig im Look.
Neben Handguards macht auch das Dekor den Unterschied. Arider bietet modellspezifische Dekor Kits für dein Motorrad – aus hochwertiger Cast-Folie, UV-stabil, passgenau und rückstandsfrei entfernbar. Schutz und Individualität in einem.
Häufige Fragen zu Handguards
Die 5 meistgestellten Fragen auf einen Blick.
Grundsätzlich gibt es Universal-Handguards für 22-mm-Lenker, die auf fast alle Motorräder passen, sowie modellspezifische Kits für exakte Passform ohne Spiel. Bei Motorrädern mit konischen Lenkern (z. B. viele Adventure-Modelle) unbedingt ein Kit mit Adapter für konische Lenker wählen. Wichtig: Immer Lenkerinnendurchmesser prüfen – Standard ist 22 mm, manche Modelle haben 28 mm.
Offene Handguards bestehen nur aus einer Schutzschale ohne Verbindung zum Lenkerende – leichter und kompakter, aber kein Hebelschutz bei Stürzen. Geschlossene Handguards haben zusätzlich einen Bügel am Lenkerende – deutlich stabiler, schützen Brems- und Kupplungshebel bei Stürzen und bieten mehr Windschutz. Für Enduro und Offroad sind geschlossene Handguards fast immer Pflicht.
Ja – besonders geschlossene Handguards mit Aluminium- oder Stahlbügel schützen Brems- und Kupplungshebel bei Stürzen vor dem Abbrechen. Das spart im Gelände oft eine Tour-Unterbrechung. Für die Hände selbst ersetzen sie keinen Motorradhandschuh, bieten aber zusätzlichen Aufprallschutz seitlich und von vorne.
Viele Hersteller wie SW-Motech oder Acerbis liefern ihre Handguards mit ABE – diese dürfen ohne Einzelabnahme auf der Straße gefahren werden. Produkte ohne ABE können ebenfalls legal sein, wenn sie keine Beleuchtung beeinflussen und ordnungsgemäß befestigt sind. Mit integrierter Blinker-Funktion ist eine ABE zwingend notwendig. Im Zweifelsfall beim Hersteller oder TÜV nachfragen.
Ja, die meisten Handguards lassen sich mit einfachem Werkzeug (Inbusschlüssel, Schraubenzieher) selbst montieren. Die Montage dauert je nach Modell 20 bis 60 Minuten. Wichtig: Den Grip beim Anbringen der Lenkerendkappe nicht beschädigen, alle Schrauben laut Drehmomentangabe anziehen und nach der Montage immer den Volllenkeinschlag prüfen.